Die Ruta de Wiraqocha soll eine große neue Pilgerrute sein, die Europa von Nordwesten nach Südosten durchqueren soll, mit Fanes als ihrem kristallinen Herzstück. Die peruanische Tradition spricht von der Ruta de Wiraqocha als einem Pilgerweg, der das alte Inkareich ungefähr von Südosten nach Nordwesten durchquert, sich jedoch darüber hinaus rund um die Erdkugel fortsetzt. In Europa verläuft diese Route, so wie in Südamerika, von Nordwesten nach Südosten. An ihrem nordwestlichen Ende liegen die großen alten heiligen Stätten von Stonehenge und Avebury in England, ihr Herzstück sind die Dolomiten und speziell Fanes, und ihr südöstlicher (europäischer) Endpunkt liegt in der Türkei im Gebiet von großartigen und uralten, erst voer kurzem wiederentdeckten heiligen Stätten wie zum Beispiel Göbekli Tepe. In der Andentradition sind die "Linien" die die einzelnen Punkte verbinden und auf denen die Ruta verläuft als Seq`es bekannt und sind von Leylines zu unterscheiden. Sie werden durch schamanisches Pilgern und Zeremonien an bestimmten kraftvollen Punkten auf ihnen, wie z.B. Apachetas aktiviert, und sind Linien des Bewusstseins, die wir selbst miterschaffen und lebendig erhalten, und nicht Teil eines energetischen Gitternetzes auf der Erdoberfläche, das unabhängig von uns exisiert. Beginnend mit den Wegen, die das Dolomiten-Ayllu schon viele Jahre und mit viel Herz gegangen ist und entlang von ihnen alte und neue heilige Orte geehrt und bereichert hat, kann sich die neue Pilgerroute allmälich in beiden Richtungen ausdehnen, so dass die Ruta de Wiraqocha in Europa zu gelebter Realität werden wird. Ich sehe das Ryeta Wasi im Fanesgebiet, das als zentraler heiliger Ort der Route zahlreiche Gäste empfängt und wo die Kraft einer großen planetaren Mesa ständig wächst, sowohl durch kontinuierliche Arbeit von kompetenten Praktizierenden der Wayna-Fanes-Tradition als auch  durch gemeinsame Zeremonien mit den Pilgern, die sich dort auch Selbst in der Tradition ausbilden lassen können. Unser bisheriger Tourismus muss sich in Pilgerschaft verwandeln, wenn wir die Heiligkeit der Erde wiederfinden wollen. Denn es ist kennzeichnend für die Haltung des neuen schamanichen Pilgerns, dass sie in erster Linie dem besuchten Ort etwas bringen wollen, wärend Touristen in der Regel kommen, um etwas von dort mitzunehmen.

Ihr Name rührt daher, daß nach der mythischen Überlieferung der Inkas die Schöpfergottheit Wiraqocha einst in menschlicher Gestalt (auch unter dem Namen Thunupa) auf die Erde kam und eine neue Ordnung schuf, auf deren grundlage dann das Inkareich entstand. Thunupa Wiraqocha war der Weltlehrer, der Pacha Yachachiq, dieses Zeitalters. Als er seine Aufgabe auf Erden erfüllt hatte, wanderte er, vom Titicacasee her kommend, in nordwestlicher Richtung weiter, um schließlich, an der ecuadoerianischen Küste angekommen, den Kontinent zu verlassen. Von dort konnte man sehen, wie er sich, über das Meer gehend,immer weiter entfernte, um schließlich diese welt wieder zu verlassen. Eine neue Prophezeiung besagt, daß Wiraqocha am Ende des nächsten großen Pachakuti (Weltumkehr) über diese göttliche Reiseroute wiederkommen wird, aber dieses mal von Nordwesten her, also aus derjenigen Richtung, in die er einst verschwand, und im Unterschied zu damals dieses mal in weiblicher Gestalt. das wird der Moment der Ankunft einer neuen Weltlehrerin sein, die das Taripay Pacha, das Zeitalter des Wieder-Zusammenkommens, einleiten wird. Von dieser Weltlehrerin wird gesagt, daß sie mit Menschen aller Rassen  zusammentreffen und mit ihnen Brot brechen wird. Der erwähnte Pachakuti, der uns, wenn wir das unsere dazu beitragen, ins Taripay Pacha führen kann, ist schon länger im Gange und wird auch noch einige Zeit andauern.

Wenn man die mythischen Bilder in abstrakte Begriffe  übersetzt, handelt es sich um das Eintreffen eines geistigen Einflusses, der mit Bezeichnungen wie " göttlich weibliches Bewusstsein" oder "Sophia" (höchste weibliche Weisheit) umschrieben werden könnte. Im sinne des Ausbalancierens von Polaritäten, das ein Grundkonzept andiner Spiritualität ist, muß diese weibliche Kraft eintreffen, um das Übermaß an männlichem oder solarem Einfluss auszugleichen, das für das jetzt zu Ende gehende Pacha bezeichnend war. Daher wird es auch als Teil dieses Pachakuti angesehen, daß sich der spirituelle Pol der Erde von Tibet in die südlichen Anden verlagert, wobei die Anden als der weibliche und der tibetische Himalaja als der männliche Pol angesehen werden. Daß die neue Weltlehrerin mit der ganzen Welt Brot brechen wird, bedeutet, daß sie die Seele der gesamten Menschheit mit ihrem Geist durchdringen wird.

Beim neuen Pilgern würde das Gehen, das Schwitzen und die Ansträngung nicht als Strafe und Leiden Empfunden werden. Dieses Gehen wäre die Erfahrung eines spirituellen Wesens, das anerkennt, daß seine Seele in einem kostbaren menschlichen Körperzu Hause ist, der, aufrecht gehend und stehend, ein idealer Aufenthaltsort für sie ist, da er als Bindeglied zwischen Himmel und Erde dient. Es wird im Geiste Gepilgert um die Erde zu ehren und die Wiederkehr der Rayeta vorzubereiten. Es geht darum für ein transpersonales Ziel zu gehen und zu geben, denn es ist, wie jeder echte schamaniche Weg, ein Weg des Dienens. Das Herz ist die Treibende Kraft für unser Geben, unser Herz für Pachamama und all ihre Kinder. Es ist ein freudiges Sich-Hergeben für etwas Wunderbares, nach dem sich unsere Seele sehnt, und zwar im Bewusstsein dessen, daß sie untrennbar mit der Weltseele verbunden ist.

Eine Zusammenfassung vom 5. Kapitel aus Waltraud Hönes Buch "Seele der Landachaft Landschaft der Seele"